Seit Monaten tauchen immer wieder neue Facetten und Phasen eines großen Geschehens auf. Wo mag es uns noch hinbringen? Was werden wir noch verlieren und was könnten wir möglicherweise statt dessen erhalten? Wie können wir das Entstehende mitgestalten? Und - angesichts dessen, was vielleicht für immer verloren geht an Vertrautem, an Sicherheiten, an Kontrolle über die eigene Situation, an Identität und Idealen, an für selbstverständlich gehaltenen Bindungen und Freundschaften, an Lebensentwürfen und vorfreudig gehegten Plänen - was bleibt von dem, was wir zur Verfügung haben? Was bleibt wichtig, tragend und tragfähig? Was beschützt und unterstützt uns?

Von all den (nicht wenigen!) Antworten, die mir beim Abtasten solcher Fragen einfallen, ist mir am liebsten Folgendes: Ganz bewusst ein Nicht-Wissen und Nicht-Verstehen als innere Haltung einzunehmen. Mit voller Absicht das zu fokussieren, was ich nicht weiß und nicht verstehe, was ich nicht aufgrund von Bekanntem und einem vermeintlichen Vorwissen ein- und zuordnen kann - das erscheint mir in einer Wende- und Wechselzeit angemessen, spannend, stützend, schützend und noch vieles mehr. Dieses Nicht-Wissen bildet für mich einen großen Raum, in den alle Trauer um das, was verloren geht, hineinpasst und alle Freude an dem, was bleibt und was wird, alle Verzweiflung und Verwirrung um die seltsamen und schlimmen Vorgänge auf der Welt, die es im Großen und im Kleinen zu beobachten gibt.  Dieser Raum trägt mich zudem auch jetzt schon in teils veränderte Aufgaben und dafür auch in manch neue Gemeinschaft, die sich für etwas zusammenfindet, von dem einiges schon greifbar ist und anderes noch nicht. Der Prozess scheint ja längst nicht abgeschlossen, wohl für niemanden von uns.

Sommer 2020

 

 

 

Es gibt kein Vergangenes,
das man zurücksehnen darf,
es gibt nur ein ewig Neues,
das sich aus den erweiterten Elementen
der Vergangenheit gestaltet,
und die echte Sehnsucht
muss stets produktiv sein,
ein Neues, Besseres zu schaffen.

(Giordano Bruno, 1548 - 1600)

 

 

 

Die neuen Planeten, die neuen Sterne, die neuen Atome... Wenn Sie draußen gegen den Himmel schauen, sehen Sie tausend Funken. Das sind die Uratome und sie schießen in die Materie. Das sind die kreativen, die schaffenden Uratome. Der Raum schafft immer. Sachen entstehen, ohne dass wir etwas dafür getan haben. Spontanes Entstehen aus sich selbst heraus.

(Irina Tweedie)

 

 

Suchen - das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuen.

Finden - das ist das völlig Neue!

Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer!

Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewissheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht - menschlich beschränkt und eingeent - das Ziel bestimmen.

Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen: Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

(Pablo Picasso)

 

Auch im Jahr 2020 werde ich hier jeden Monat einen Impulstext mit einer kleinen inneren Übung veröffentlichen. Ein paar Worte zu deren Verwendung:

Es geht nicht darum, für diese Übungen in tiefe Meditation zu gehen. Es geht auch nicht darum, eine vom Alltag separierte Zeit mit den Texten und den Übungen zu verbringen. Vielmehr reicht es aus, hin und wieder daran zu denken und die Aufmerksamkeit für einen kleinen Moment in die vorgeschlagene Richtung zu bewegen. Das darf gerne immer wieder geschehen, mitten im Alltag und immer, wenn es euch gerade einfällt. Es soll ganz und gar mühelos sein und tatsächlich soll es eher wie von selbst geschehen, als dass etwas gemacht oder getan wird.

Ein weiterer Teil kann sein, die Wirkung zu beobachten, die sich durch das Richten der Aufmerksamkeit vielleicht einstellt. Passiert nichts? Tut es gut? Ist es angenehm? Ist es ungewohnt und neu? Reagiert etwas in meinem Körper darauf, oder entstehen Gedanken, Gefühle? Alles, was geschieht, ist richtig... keine Prüfung, keine Leistung, sondern ein Spiel mit dem Bewusstsein, dem Vorstellungsvermögen, der Aufmerksamkeit...

Wenn du die Texte jeweils am Anfang des Monats per E-Mail erhalten möchtest, schreibe mir das kurz und ich trage dich in den Verteiler ein. Ich wünsche euch viel Freude damit!

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

 

Wer sein Herz erweckt, der stellt staunend fest, dass dieses Herz leer ist. Es ist wie ein Blick in den Weltraum. Was bin ich, wer bin ich, wo ist mein Herz? Wer wirklich schaut, der findet nichts Greifbares, nichts Festes... Wenn du dieses erwachte Herz suchst, wenn du hier in der eigenen Brust danach tastest, findest du nichts als Zartheit. Weich und wund fühlt es sich an, und wenn wir unsere Augen für die Welt öffnen, überkommt uns eine abgrundtiefe Traurigkeit. Diese Art von Traurigkeit hat aber nichts mit äußeren Gründen zu tun. Du bist nicht traurig, weil dich jemand verletzt hat oder du einen Verlust zu beklagen hast. Diese Traurigkeit ist grundlos. Sie rührt daher, weil dein Herz ganz bloßgelegt ist. Keine Haut scheint mehr darüber zu sein, es ist rohes Fleisch. Setze eine winzige Mücke darauf, du wärst zutiefst davon berührt... Es ist dieses sanfte Herz des Kriegers, das die Macht hat, die Welt zu heilen.

Chögyam Trungpa: Des wahren Kriegers sanftes Herz der Traurigkeit

 

 

So sagt es Nelly Sachs. Ist es so, wie seht ihr es? Werden sämtliche unserer Baustellen, Nöte, Probleme, Sorgen, Stockungen, Krisen, Leiden, Unzufriedenheiten von uns als solche erlebt, weil sie nicht mit dem von uns Ersehnten übereinstimmen? Setzt die Sehnsucht uns in Bewegung, uns in etwas Unbekanntes hineinzuwagen? Denn das Ersehnte ist ja ungeformt, unbekannt, ohne leicht leserlichen Namen und Adresse... und führt es uns nicht in etwas Größeres, Weiteres, Tieferes als die zurückgelassenen Kartierungen des eigenen Seins?

Mich selbst hat jedenfalls die Sehnsucht die wundersamsten, erstaunlichsten von allen meiner Wege geführt, sie tut es noch immer - und gerade auf diesen Wegen habe ich Essentiellstes für meine Arbeit gelernt. So stelle ich mich euch weiter gerne als Wegbegleiterin für eure Sehnsuchtspfade zur Verfügung, als Kundige im Lesen von deren Wegweisern und Landkarten, mit all meiner Erfahrung im Verstehen von verborgenen oder als Probleme verkleideten Botschaften, im Stellen der ausrichtenden klugen Fragen...

 

... sind Themen und Begriffe, die mich in 2019 sehr beschäftigen, bewegen, umtreiben, in meine Arbeit fließen und ihr neue Formen geben, meine Gedanken in unbekannte Bewusstseinsschichten hinein wandern lassen wie in ferne Länder, mir neue Böden bauen und mich darauf Schritt für Schritt weitergehen lassen, innerlich und äußerlich... in solchen Worten finde ich sie bei anderen wieder:

 

Die entscheidende Frage für den Menschen ist: Bist du auf Unendliches bezogen oder nicht? Das ist das Kriterium des Lebens.

(Carl Gustav Jung)

 

Ich glaube, die innere Motivation aller Menschen, etwas Neues zu schaffen, ist die innere Motivation der Evolution selbst, die sich in dir und mir auf jeweils einzigartige Weise inkarniert. Und wenn du diese Motivation 100-prozentig bejahst, wird sie so stark in dir, dass du nicht älter wirst, sondern neuer. Du wirst neuer, weil die Welt immer wieder neu ist.

(Barbara Marx Hubbard)

 

 

 

Wieder sind in den heiligen Nächten des Jahreswechsels meditative Impulstexte für jeden Monat des Jahres 2019 entstanden. Sie sollen dazu einladen, in bestimmte Aspekte der Zeitqualität einzutauchen, die mit den Tierkreiszeichen in Resonanz stehen. In diesem Jahr kreisen alle Texte um das gemeinsame Thema des Verbundenseins.

Die Texte können per E-Mail bestellt werden und kommen dann jeden Monat um den 21. herum ins Postfach - kostenfrei oder auch gern gegen eine freiwillige Spende für den Aufwand.

Alternativ dürfen die Texte auch hier heruntergeladen werden: einfach auf das Wort "pdf" klicken.

Steinbock / Januar: pdf

Wassermann / Februar: pdf

Fische / März: pdf

Widder / April: pdf

Stier / Mai: pdf

Zwillinge / Juni: pdf

Krebs / Juli: pdf

Löwe / August: pdf

Jungfrau / September: pdf

Waage / Oktober: pdf

Skorpion / November: pdf

Schütze / Dezember: pdf

 

 

23.10.20         Die Kunst des Fragens                                                          per zoom oder jitsi               Info

6.-8.11.20       Vom Sehnen und Wünschen (mit Vibhuta Braun)         Freiburg                                 Info

14.12.20          Die Kunst des Fragens                                                          per zoom oder jitsi               Info

27.12.20         Jahreswechsel - Wechselkunst                                            Überlingen-Bambergen      Info

3.1.2021         Jahreswechsel - Wechselkunst                                            Bochum                                  Info          

14.1.2021        Die Kunst des Fragens                                                           per zoom oder jitsi              Info

24.2.2021      Die Kunst des Fragens                                                           per zoom oder jitsi               Info

 

Ich komme gerne - sofern die aktuellen Bestimmungen es erlauben -  mit meinen Seminaren und Workshops an andere Orte: D, A, CH, I.... Findet Teilnehmer*innen (kleine Gruppen bevorzugt) und einen geeigneten Raum (der auch ein geräumiges Wohnzimmer sein darf), sprecht mit mir Termine und Rahmenbedingungen ab... ich reise gern.

 

Factfulness

Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist.

Hans Rosling (ISBN 978-3550081828) 400 Seiten

 

Visionäre des Geistigen wie Sri Aurobindo oder Rudolf Steiner beschreiben eine evolutionäre Weiterentwicklung des menschlichen Bewusstseins. Aus dieser Perspektive heraus habe ich Hans Roslings Buch gelesen: es beschreibt für mich eine Manifestation dieser geistigen Entwicklung im Irdischen und wie kraft menschlicher Kreativität (ja sogar Ko-Kreativität, denn es geht um von vielen Menschen gemeinschaftlich Vollbrachtes) bereits unzählige Missstände auf der Erde zum Besseren verwandelt und umgestaltet worden sind. 

Wem das Buch zu dick ist, findet in der von mir sehr geschätzten "Lösungskolumne" der Süddeutschen eine Zusammenfassung (klick!) - dort war ich auch auf das Buch aufmerksam geworden.

 

 

... hier... (klick!)